Generalsanierung und Erweiterung Polizeiinspektion Würzburg-Stadt

Würzburg

Für die neue Polizeiinspektion Würzburg-Stadt wurde das denkmalgeschützte Hauptgebäude aus den 50 er Jahren fast vollständig entkernt, generalsaniert und erweitert. Ein neuer zwei- bzw. dreigeschossiger Anbau durchdringt den Altbau im Südosten und bildet einen Kopfbau mit Sondernutzungen (Besprechungsräume, Sozialraum mit Teeküche, EDV-Lehrsaal) aus. Im Erdgeschoss ist die Wache mit den Dienstgruppen, in den Obergeschossen Büroräume mit einem Multifunktionsraum untergebracht. Im Untergeschoss befinden sich vorwiegend Technik- und Umkleideräume und die Haftzellen. Die um ein halbes Geschoss tiefer liegende Tiefgarage (Dienstfahrzeuge) fungiert als Polizeihof. Durch Aufständerung des Erweiterungsbaus konnte darüber ein offenes erdgeschossiges Parkdeck für Personalfahrzeuge realisiert werden. Der Vorplatz zum Haupteingang konnte auf diese Weise weitgehend autofrei und wie der denkmalgeschützte Gartenpavillon im Südwesten des Grundstücks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Projektstand: fertiggestellt 2018

Kosten genehmigt: 21,2 Mio. €

Entwurf: Staatliches Bauamt Würzburg

Projektbeteiligte

Projektleitung / Gebäudeplanung Staatliches Bauamt Würzburg
Fassadenplanung Neubau StBa, IB Rathmann, Würzburg   
Altbaufassade Restaurator Schädel, Randersacker
Außenanlagenplanung IB Kaiser + Juritza, Würzburg
Elektroplanung / Aufzug IB ABI, Würzburg
HLS-Planung IB Sperber, Würzburg
Tragwerksplanung IB ALS, Würzburg
Prüfstatik LGA Würzburg
Vermessung ALPHA-Vermessung, Würzburg
Baugrundgutachten IB Geotechnik GmbH & Co. KG
Schadstoffuntersuchung B&O Concept GmbH, Haßfurt
Bauphysik IB Sorge, Nürnberg
Brandschutzprüfung ISN2, Nürnberg
SiGeKo IB Röschert, Würzburg

 

Gesamtkosten

inkl. Interimsunterkünfte 21.200.000 €
ohne Interimsunterkünfte 18.800.000 €

 

Termine

Planungsauftrag Dezember 2009
Baubeginn (Rückbau) Dezember 2012
Rohbaubeginn September 2014
Bauübergabe Mai 2017

 

Gebäudedaten

Nettogrundfläche Altbau 2.756 qm
  Neubau 1.581 qm
  Tiefgarage 1.626 qm
Bruttorauminhalt Altbau  11.360 cbm
  Neubau 6.110 cbm
  Tiefgarage 6.813 cbm

 

Hintergrund

Es handelt sich bei diesem Bauvorhaben um die 3. Teilbaumaßnahme der „Generalsanierung der ehemaligen Polizeidirektion, Augustinerstr. 24-26“, welche die Sanierung des Hauptgebäudes, den Abbruch des Nebenflügels und die Errichtung eines aufgeständerten, zweigeschossigen Anbaus mit Tiefgarage beinhaltet. Im Zuge der 1.Teilbaumaßnahme wurde die Einsatzzentrale des ehemaligen Polizeigebäudes Augustinerstraße in das Polizeipräsidium in die Frankfurter Straße verlegt und mit den Einsatzbereichen Schweinfurt und Aschaffenburg zusammengeführt. Mit der 2. Teilbaumaßnahme wurde ein Anbau mit Verbindungssteg an das Polizeipräsidiumsgebäude geschaffen, um die hierdurch entstandenen Flächenverluste im Hauptgebäude auszugleichen und den Bedarf an zukünftigen Besprechungsräumen zu decken.

Bestand/Denkmalschutz

Das Polizeigebäude in der Augustinerstraße mit seinem Hauptgebäude und ehemaligen Nebenflügel ist 1958 durch das Städtische Hochbauamt errichtet worden und im Jahr 1978 in den Besitz des Freistaats Bayern übergegangen. In der ursprünglichen Planung war ein Süd-Ost-Flügel entlang der Wirsbergstraße vorgesehen, welcher nicht verwirklicht wurde. Das gesamte Gebäude wurde als Verwaltungsbau in der Architektursprache der 50er Jahre vor wenigen Jahren in die Denkmalliste aufgenommen.  Der Erhalt des Haupttreppenhauses, des filigranen Stahltragwerks des Daches und der Fassaden in Struktur und Materialität standen im Zuge der Baumaßnahme für den Altbaubereich im Vordergrund.

Treppenhaus/Stahltragwerk/Sgraffitobrüstungsfeld
© Staatliches Bauamt Würzburg

Nutzung/Planung

Für die neue Polizeiinspektion Würzburg-Stadt mit ca. 300 Mitarbeitern wurde zur Deckung des erforderlichen Flächenbedarfs das bestehende denkmalgeschützte Hauptgebäude erweitert. Der frühere Nebenflügel entlang der Gotengasse (im Norden) wurde hierzu aufgrund seiner schlechten Bausubstanz abgerissen und um einen neuen aufgeständerten bzw. zur Wirsbergstraße (im Süden) auf einem Sockelgeschoss lagernden zweigeschossigen Anbau ergänzt. Während der Hauptbaukörper seine zweibündige Aufteilung behält, ist der Neubau als einbündiger Verwaltungsbau konzipiert worden. Die Büros sind in Richtung Westen und Süden orientiert, der Flur liegt vorwiegend am neu geschaffenen Innenhof. Im Süden zur Augustinerstraße hin, durchdringt der Neubau den Altbau und bildet einen Kopfbau aus, der verschiedene Sondernutzungen, wie Besprechungsräume, einen Sozialraum mit Teeküche und einen EDV-Lehrsaal beinhaltet.

Perspektivansicht_Südost
© Staatliches Bauamt Würzburg

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude wurde fast vollständig entkernt und seine denkmalwürdigen Elemente erhalten. Im Erdgeschoss ist die Wache mit den Dienstgruppen untergebracht. Die Obergeschosse beinhalten überwiegend Büroräume mit einem Multifunktionsraum im vierten Obergeschoss. Das Dach ist nicht ausgebaut. Im Untergeschoss sind vorwiegend Technikräume, Umkleideräume und der Bereich der Haftzellen. Die um ein halbes Geschoss tiefer liegende Tiefgarage (Dienstfahrzeuge) fungiert als Polizeihof und ist über eine Schleuse an das Hauptgebäude angeschlossen, so dass die Haftzellen direkt von dort erreichbar sind. Die Tiefgarage wird von der Wirsbergstraße (im Süden) aus erschlossen und hat eine Notausfahrtsrampe zur Gotengasse (im Norden). Durch die Aufständerung des Erweiterungsbaus konnte über der Tiefgarage ein offenes erdgeschossiges Parkdeck für die Bedienstetenfahrzeuge realisiert werden, welches von der Gotengasse zu erreichen ist. Der neu gestaltete Eingangsvorplatz ist bis auf sieben Kurzzeitparkplätze für Besucher, davon einer behindertengerecht, autofrei und soll zum Verweilen einladen. Die ehemaligen Grundstücksmauern wurden zurück gebaut und der Platz durch eine großzügige Abtreppung Richtung Wirsberg- und Augustinerstraße (Südosten) hin geöffnet. In der südlichen Hälfte des Vorplatzes ist zur weiteren Gestaltung die Pflanzung einer Baumgruppe realisiert worden. Darüber hinaus wurden der historische Garten-Pavillon und die Freifläche in der Süd-West-Ecke des Grundstücks tagsüber der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Besucher können dort in die wechselhafte Geschichte des Ortes eintauchen, welche im Zuge der archäologischen Ausgrabungen zutage getreten ist.

Grundriss
© Staatliches Bauamt Würzburg

Fassaden/Energetische Aspekte

Die denkmalgeschützten Hauptfassaden sind geprägt durch die sichtbare Stahlbetonskelettstruktur, die regelmäßige Abfolge von Fensteröffnungen und die oxidrot farbigen Sgraffitobrüstungsfelder. Sgraffito ist eine spezielle Kratzputztechnik, welche in den 50er Jahre oftmals als Gestaltungselement eingesetzt wurde. Zum Erhalt der denkmalgeschützten Fassadenoberflächen wurde das Hauptgebäude mit einer 8cm starken, kapillaraktiven Innendämmung energetisch nachgerüstet. Das Farbkonzept der Außenfassaden wurde beibehalten, Schadstellen ausgebessert und die Oberflächen gereinigt. Der Erweiterungsbau wurde als Metallbandfassade (Kunststoff-kern mit Aluminiumdeckschicht) ausgeführt und lagert entlang der Wirsbergstraße auf einem mit anthrazitfarbenen Faserzementplatten verkleideten Sockelgeschoss. Die Neubaufassade ist in Anlehnung an die Struktur der Sgraffitofelder des Altbaus gestaltet. Die Fugen der Fassadenelemente sind hierzu statt der üblichen vertikalen Ausführung aus dem rechten Winkel gerückt, so dass der Neubau wie ein „umwickelter Baukörper“ wirkt. Das Aufnehmen von vorgefundenen charakteristischen Strukturen des Altbaus  in der Neubaufassade, soll zu einer weiteren Verzahnung von „Alt“ und „Neu“ führen, so wie dies in geometrischer Form bereits an der Süd-Ost-Ecke der Fall ist. Die neuen Aluminiumfenster (Isolierverglasung) sind im Altbau mit  Sonnenschutz im Scheibenzwischenraum (System analog Bestand), im Neubau mit außenliegendem Sonnenschutz ausgestattet. Es werden die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2009 erfüllt. Das Gebäude wird mittels Fernwärme der Stadt Würzburg mit einem Anteil an hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung von fast 100% und einem Primärenergiefaktor von 0,5 umweltfreundlich beheizt. Die Lüftungsanlagen sind mit Wärmerückgewinnung ausgestattet und auf dem Neubaudach ist eine Photovoltaikanlage mit 61 Modulen und einer Maximalleistung von 15,2 kW/h installiert. Diese deckt ca. 5% des zu erwartenden Energieverbrauchs der neuen Polizeiinspektion.

Innenhoffassade-Erweiterungsbau
© Staatliches Bauamt Würzburg

Archäologie

Der Baugrund der neuen Polizeiinspektion Würzburg-Stadt liegt innerhalb der sogenannten "Würzburger Bischofsmütze", der mittelalterlichen Stadtmauer von Würzburg und war unter anderem Standort des Augustinerklosters (2. Hälfte 13.Jh.). Im Zuge der Archäologischen Untersuchungen konnte man sowohl westlich des Haupt-gebäudes unter dem ehemaligen Klostergarten als auch auf dem östlichen Vorplatz teilweise über zwölfhundert Jahre alte Bau- und Siedlungsstrukturen entdecken. Teile dieser Strukturen wurden durch den Klosterkomplex überbaut und dieser wiederum nach Umzug der Augustiner im Jahr 1813 durch den späteren Bau eines Gymnasiums. Trotz dieser Überformungen konnten nun in den letzten Jahren Teile des Kreuzgangs mit Gräbern bestatteter Priester des 16. und 17. Jahrhunderts, Teile des Klausurflügels und eine Ecke der Klosterkirche freigelegt werden. Sämtliche archäologischen Funde wurden im Einvernehmen und unter fachlicher Aufsicht des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege gesichert und ausführlich dokumentiert.

 

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