Feierliche Wiedereröffnung des Kaisersaales der Würzburger Residenz
Nach 2 ½ - jähriger Restaurierung wurde am 29.04.2009 der Kaisersaal der Würzburger Residenz feierlich wiedereröffnet.
Die Große Baumaßnahme ´Residenz Würzburg - Fortführung Wiederaufbau´ mit Gesamtkosten in Höhe von 11,96 Mio. Euro gliederte sich in mehrere Bauabschnitte.
| BA 1: |
Restaurierung Weißer Saal, Einbau Aufzug, Dachsanierung über Mittelbau, Einbau Museumsshop |
4.450.000,- € |
|---|---|---|
| BA 2: | Baulicher Brandschutz und Einbruchmeldeanlage | 1.611.000,- € |
| BA 3: | Restaurierung Treppenhaus | 3.260.000,- € |
| BA 4: | Restaurierung Kaisersaal | 2.640.000,- € |
Der Kaisersaal
Im Kaisersaal der Würzburger Residenz haben sich alle Ausstattungskünste zu einer außergewöhnlichen Synthese vereinigt. In einem Zuge wurde hier ein wahrhaft majestätisches Raumkunstwerk geschaffen, einer der schönsten und in sich stimmigsten Profanräume des Barock überhaupt.
Die großartige Raumfolge von Vestibül, Gartensaal, Treppenhaus und Weißem Saal findet ihren Höhepunkt in dem 1741 im Rohbau fertig gestellten Kaisersaal. Seine Ausstattung erfolgte 1749-1753 unter Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau, der für die Ausmalung den damals gefragtesten Freskanten Europas gewinnen konnte, den Venezianer Giovanni Battista Tiepolo.
Im Kaisersaal entfaltet sich Balthasar Neumanns architektonischer Entwurf mit großer raumschöpferischer Kraft, betont und bereichert durch die vielfältigen Stuckaturen Antonio Bossis. Doch den beherrschenden Akzent setzen zweifellos die Fresken, die Giovanni Battista Tiepolo hier 1751/52 unter Mithilfe seiner Söhne schuf.
Die beiden seitlichen Fresken zeigen die 1156 in Würzburg gefeierte „Hochzeit Barbarossas mit Beatrix von Burgund“ und die 1165/68 erfolgte „Belehnung Bischof Herolds mit dem Herzogtum Franken“.
Die Restaurierung
Schwerpunkte der Maßnahme
Während das Nord- und Südfresko sowie die Fresken über dem Hauptgesims (Höflinge, Landsknechte), abgesehen von der allgemeinen Oberflächenverschmutzung, nur partiell Schäden aufwiesen, war der Erhaltungszustand des Mittelfreskos, besonders aber der der Gemälde in den Stichkappen relativ schlecht. Zu den teilweise schweren substanziellen Schäden, kamen zahlreiche Verfleckungen, Verluste und Überfassungen, die die Gesamterscheinung der Gewölbezone beeinträchtigten. Hinzu kamen erhebliche Schäden an den Gewölbestuckaturen und deren Vergoldung. Aber auch die Stuckornamente im unteren Wandbereich waren schwer geschädigt und die Stuckmarmorsäulen wiesen Fehlstellen auf.
Die unter der Leitung des Staatlichen Bauamtes Würzburg durchgeführte Maßnahme umfasste deshalb die Konservierung und Restaurierung der gesamten Raumschale (Gewölbe, Fresken, Wände und Fußboden) des Kaisersaals. Schwerpunkt aber waren die drei großen Gewölbefresken sowie die zehn Fresken in den Stichkappen und acht Figurengruppen Tiepolos.
Durchführung der Restaurierung
Etwa zehn Jahre nach der Notsicherung und Schadensdokumentation konnten diese bedeutenden Gemälde vom September 2006 bis Oktober 2008 konserviert und restauriert werden. Dabei mussten zunächst Salzausblühungen entfernt und mehr als 200 korrodierende Metallarmierungen und gipshaltige Mörtel der Nachkriegssanierung gewissermaßen herausoperiert werden, da sie ein erhebliches Schadenspotential darstellten. Zahllose Risse und Hohlstellen in den Putzschichten der Fresken konnten mit Spezialmörteln geschlossen und hinterfüllt werden. Unter Einsatz von Mikromeißeln oder Ultraschallgeräten wurden beispielsweise dünne Überscheibungen und Salzkrusten behutsam von der darunter liegenden Originalmalerei entfernt.
Optisch besonders wirkungsvoll gelang die Beseitigung entstellender Sinterflecke und Fehlretuschen und die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbbrillianz Tiepolos.
Die Helligkeit der Grünmalerei und der metallische Glanz der Stichkappen ließen sich ebenso wiedergewinnen wie das Weiß der nicht freskierten Wand- und Gewölbeflächen. Den Restauratoren kamen Erfahrungen zugute, die sie vorher bei der Restaurierung des Tiepolofreskos im Treppenhaus gemacht hatten. Zahlreiche Arbeitsmuster und Tests, die naturwissenschaftlich begleitet wurden, ermöglichten speziell bei der Entsalzung und Kompressenbehandlung die Entwicklung und den Einsatz neuartiger Mittel und Methoden.
Nach Abschluss der Restaurierung der Wand- und Deckenfassungen, der Stuckaturen sowie der Fresken wurden bis April 2009 die restaurierten und von späteren Zutaten befreiten originalen Lüster wieder gehängt und der kostbare Marmorfußboden ausgebessert.
Projektbeteiligte
| Bauherr: |
Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, vertreten durch die Bayerische Schlösserverwaltung |
|---|---|
| Baudenkmalpflegerische Fachaufsicht: | Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung |
| Planung und Bauleitung: | Staatliches Bauamt Würzburg |
| Restauratorische Betreuung: | Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung |
| Organisatorische Bauleitung: | Dr. Bernhard Rösch |
| Restauratorische Fachbauleitung: | Peter Turek und Stefan Achternkamp, Forchheim |
| Naturwissenschaftliche Untersuchungen: | Dr. Eberhard Wendler, München |
| Befundung Skulpturen: | Melissa Speckhardt, Burgebrach |
| Fotogrammetrie: | Andreas Grindel, Schwarzach |
| Restauratoren Stuck, Wand, Vergoldung: | Preis + Preis, Parsberg |
| Restauratoren Fresko: |
Elke Umminger, Lauda Susanne Bosch, Köln Markus Eiden, Rimpar Sylvia Lenzner, Dresden Christine Hitzler, Holzheim Stefan Lochner, Münnerstadt Barbara Neulinger, Hamburg Veronika Springer, Gräfelfing Christiane Kunz-Weiß, Bad Homburg v.d.H. J. G. Menath, Burtenbach |
| Gemälderestaurator: | Jürgen Holstein, Rothenburg o.T. |
| Restauratoren Lüster: |
Sebastian Westermeier, Miesbach Petra Sindelar, Nový Bor, Tschechische Republik |
| Holzrestaurator: | Karsten Schulze, Würzburg |
| Gerüstbau: | Ferdinand Spies GmbH, Sennfeld |




