Umgestaltung der Westfassade am Kiliansdom in Würzburg

Anlass der Maßnahme

Die Fassaden des Kiliansdomes in Würzburg wurden von März 2005 bis November 2006 erneuert. Nach Rissesanierung der nach Kriegszerstörung wieder aufgebauten nördlichen Längswand ergaben statische Untersuchungen am Westwerk, dass die zwischen den Türmen vorgeblendete dünne Bimssteinwand keinerlei Stabilität aufwies. Durchgeführte Suchschlitze in der Blendwand zeigten, dass die neoromanischen Wandelemente des 19. Jahrhunderts in einem beinahe unversehrten Zustand erhalten waren.


Historie

Der Würzburger Dom, dem hl. Kilian geweiht, kann auf eine fast 1000 jährige Baugeschichte zurückblicken. Bischof Bruno (1034-45) gilt als der Begründer des heutigen Dombaus. Er schuf Mitte des 11. Jahrhunderts das Westwerk mit kleinem Dreieckgiebel, flankiert von zwei quadratischen Türmen. Über der Vorhalle befand sich eine kleine, sich in das Dominnere öffnende Kapelle. Bischof Gottfried von Spitzenberg (1186-90) weihte am 23. Oktober 1187 eine monumentale Kathedrale mit Langhaus, Chor und zwei Osttürmen ein. Die Westtürme wurden bereits im Mittelalter wiederholt verändert. Die schon Ende des 12. Jahrhunderts um zwei Geschosse erhöhten Westtürme erhielten1418 eine Maßwerkgalerie und neue Helmdächer. 1507 wurde der Mittelbau zwischen den Türmen erhöht und mit einem zierlichen maßwerkgeschmückten Uhrtürmchen bekrönt. 1698 wurde ein Verbindungsgang neu angelegt, die große Uhr über dem Fenster der Julius-Echter-Zeit angebracht und der Giebel aufgemauert. 1695 - 1701 ließ Fürstbischof von Greiffenklau den gesamten Innenraum im Stil des römischen Hochbarock stukkieren, die mehrfach geplante barocke Umgestaltung der Westfassade kam jedoch aus finanziellen Gründen nicht zur Ausführung.
1879-83 errichtete Friedrich Friedreich die neoromanische Portalfassade. Wesentliche Änderungen sind die kräftige Horizontale des neu vorgeblendeten Sockelgeschosses mit neoromanischem Portal, die Fensterrose, das Triforium und die Schmuckformen am Giebel.
Beim Fliegerangriff am 16. März 1945 brannte der Dom vollständig aus. Dächer und Ausstattung wurden weitgehend vernichtet, die neoromanische Schaufassade und die Türme überstanden jedoch fast unbeschadet.


Wiederaufbau nach 1945

1952 findet ein Gutachterverfahren zur Gestaltung der Westfassade statt. Teilnehmer sind Prof. Bosslet, Würzburg, Prof. Döllgast, München, Prof. Esterer, München, Dr. Ing. Weyres, Dombaumeister zu Köln, das Landbauamt Würzburg, Herr Simon, Bischöfliches Bauamt, Herr Schädel und Sep Ruf, München Die hochkarätig besetzten Gremien entscheiden sich gegen den Erhalt der bestehenden neuromanischen Fassade und für eine moderne Interpretation. Gewünscht wird eine vertikale Steigerung der Westfassade. Die Westtürme sollen wie früher auf das Gelände des Domvorplatzes herab gehen. Die Ergebnisse werden 1953 dem Landesbaukunstausschuss vorgetragen. 1954 entwickeln die Architekten Döllgast und Schädel im Auftrag des Ministeriums neue Überlegungen zur Westfassade. Erst im Jahr 1960 beginnt die Umgestaltung. Die gebänderte Sockelgliederung wird entfernt, der Eingangsbereich mit Tympanonfeld auf das romanische Öffnungsmaß zurückgeführt. Der Giebel wird abgebrochen und eine Blend- bzw. Schutzwand in Bimsstein frei davor gestellt. Uhr, Rose und Dreibogenfenster werden verdeckt. Die Portalzone wird 1963 nach einem Wettbewerb überarbeitet und erhält ein Bronzeportal von Fritz König.


Freilegung der Fassade

Der Abbruch der Bimssteinwand im Jahr 2005 stellte die Frage nach der Sichtbarmachung der romanischen Wand, die, wie Untersuchungen zeigten, den großformatigen neoromanischen Einbauten des 19. Jahrhunderts geopfert wurde. Die 1961 errichtete Blendwand zwischen den Türmen war von den Architekten bewusst schlicht gefasst und eine eigenständige architektonische Aussage damit vermieden worden. Die Detailausbildung der vorgeblendeten Wand, speziell die nicht vorhandene Einbindung in die Turmwände sowie der Schutz der rückwärtigen neoromanischen Wand und deren Einbauteile verdeutlich dies. Das Würzburger Domkapitel mit Bischof Hofmann und Weihbischof Bauer sowie die Regierung von Unterfranken haben sich der historischen und architektonischen Fragen intensiv gewidmet und die Freilegung des historischen Bestandes nachdrücklich befürwortet.


Projektübersicht

Bauherr - Diözese Würzburg

Fachplanung bzw. -bauleitung

Projekt- und Bauleitung: Staatliches Bauamt Würzburg
Statik: IB Mittnacht, Würzburg
Bauaufnahme: IB Kaiser, Veitshöchheim
Befunduntersuchung: Fa. Fuchs, Eisingen
Sige-Koordination: AB Schlereth, Geroldshofen

Zeitleiste

Baubeginn - 03/2005
Baufertigstellung - 11/2006

Gebäudedaten

Gesamtbaukosten - 680.000 Euro